Go to Top

Mehr Geburten, zu wenig Hebammen

Mehr Geburten, zu wenig Hebammen

Hebammen diskutieren mit MdL Radlmeier

Landshut. Seit langem fordern Hebammen in Deutschland bessere Bedingungen. Nun hat eine Schiedsstelle in Berlin den Streit zwischen Hebammenverbänden und Kassen vorerst beendet. Dass damit aber den Hebammen wenig geholfen ist, wurde beim Austausch zwischen den Hebammen am Klinikum Landshut und dem Stimmkreisabgeordneten für die Region, Helmut Radlmeier, deutlich.

Nach dem Schiedsspruch steigt die Vergütung der Hebammen um 17 Prozent. Was eigentlich wie eine gute Nachricht für die 11 Hebammen am Klinikum Landshut klingt, ist in Wahrheit aber nur die halbe Miete, wie Oberärztin Bettina Löhrs sowie die Hebammen Tanja Brembs und Theresa Eberl dem Abgeordneten Helmut Radlmeier schilderten. Denn künftig dürfen freiberufliche Hebammen nur noch zwei Frauen gleichzeitig betreuen – und die dann entstehenden Kosten abrechnen. In der Realität kümmert sich aber eine Hebamme um mehrere Frauen in unterschiedlichen Stadien der Schwangerschaft und der Geburt, auf den erbrachten Leistungen würden sie künftig sitzen bleiben. Eine Geburt sei aber nicht planbar, wie Radlmeier anmerkte.

Horrender Haftpflichtbeitrag

Währenddessen steigt dagegen die Haftpflichtversicherung, die jede Hebamme in der Geburtshilfe abschließen muss, seit Jahren stetig. Betrug der Jahresbeitrag 1998 gerade einmal 393 Euro, muss eine Hebamme aktuell 8.174 Euro allein für die Versicherung zahlen. Eine stolze Summe, die erst einmal erwirtschaftet werden muss. „Dabei arbeiten immer mehr Hebammen in Teilzeit“, wie Theresa Eberl, selbst Beleg-Hebamme am Klinikum, einwarf. Ein deutschlandweiter Trend, wie Helmut Radlmeier, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und Pflege, bestätigte: „Rund 72 Prozent aller Hebammen sind mittlerweile Teilzeitkräfte.“

Hebammen fehlen

Neben dem Auseinanderdriften von Vergütung und Pflichtversicherung bemängelten die Hebammen vor allem den neuen Betreuungsschlüssel, der ab 1. Januar 2018 gelten soll. Der neue Schlüssel gilt allerdings nur für freiberufliche Hebammen, angestellte sind davon nicht betroffen. „In der Theorie ist ein verbesserter Betreuungsschlüssel natürlich eine gute Sache. Um ihn einhalten zu können, fehlen aber schlichtweg die Hebammen“, zeigte Hebamme Tanja Brembs auf. Zumal wieder mehr Kinder geboren werden, wie man an der Region Landshut sieht: Die Region boomt, immer mehr Menschen ziehen hierher. Außerdem hat sich der Trend der rückläufigen Geburtenzahlen umgekehrt: Seit 2011 kommen nicht nur in Bayern, sondern auch am Klinikum wieder mehr Kinder zur Welt. Dort waren es im letzten Jahr über 800.

Rahmenbedingungen verbessern

Oberärztin Löhrs plädierte daher dafür, dass man erst Rahmenbedingungen verbessern müsse, bevor man am Betreuungsschlüssel ansetze: „Der Schiedsspruch ist gut gemeint, geht aber an der Realität in der Geburtshilfe vorbei.“ Eine Forderung, die Radlmeier unterstützte: „Die Lage ist alarmierend. Der GKV-Spitzenverband muss hier eine Lösung anbieten. Hebammen tragen eine enorme Verantwortung. Ihre Leistungen werden nicht so honoriert, wie sie es verdient hätten. Ein Betreuungsschlüssel, von dem jetzt schon absehbar ist, dass er nicht zu halten ist, macht keinen Sinn. Zuerst muss man den Beruf der Hebamme wieder so attraktiv gestalten, dass wieder mehr Menschen den Beruf ergreifen.“ Zusammen mit den anderen Gesundheitspolitikern der CSU-Fraktion habe er deshalb im Landtag einen Dringlichkeitsantrag auf den Weg gebracht: „Wir appellieren an die Organe der Selbstverwaltung, die flächendeckende Versorgung in der Geburtshilfe nicht durch praxisferne Einschränkungen zu gefährden.“ Denn eine gute, sichere und persönliche Betreuung müsse weiterhin gewährleistet sein, waren sich die Gesprächspartner einig.

 

Bildunterschrift (v.l.): Tauschten sich auf der Geburtshilfestation des Klinikums über die aktuellen Herausforderungen, vor der Hebammen stehen, aus: Landtagsabgeordneter Helmut Radlmeier, die Hebammen Tanja Brembs und Theresa Eberl sowie Oberärztin Bettina Löhrs.

, , , ,